2018 Livebook 2018

Über die Ordnung: Leitfaden für Manager

Als ich mich nun in den Sessel weiter und weiter vertiefe, herabsteige in die Welt der Träume, trete ich durch einen schleierhaften Nebel. Alles um mich herum scheint so nicht wirklich, nicht real, zu sein. In dieser neuen Welt versuche ich nun Antworten zu “Über die Ordnung: Leitfaden für Manager” zu erhalten.

Meinen Drang die Ordnung in den Griff zu bekommen, woher kommt nur dieser Gedanke? Vieles in meinem Umfeld scheint außer Rand und Band geraten zu sein. Mein Umfeld ist nicht mehr das, was es früher zu sein schien. Die ungeschriebenen Regeln für das Verhalten des Einzelnen in der Öffentlichkeit, die so genannte Öffentliche Ordnung, muss neu geschrieben werden.

Jeder kehre vor seiner eigenen Tür. Ja, es ist wirklich so. Und in der ersten REM Phase meines Traumes, stehe ich vor einem großen Haus. Davor ist eine ältere Frau mit einem Besen in der Hand beschäftigt, die immer noch von den Bäumen fallenden Blätter gezielt in eine Richtung zu kehren. Ich bleibe erstarrt wie ein Eisblock stehen und betrachte die ältere Frau genauer.

Die Gewohnheit macht dem Menschen die erworbene Weisheit zum Eigentum und gibt ihm Beständigkeit.
Pythagoras

Ordnung als einer der Deutsche sowie weitere Preußische Tugenden scheint hier zu wirken. Und mit etwas Beständigkeit wird der Vorgarten des Hauses, vor dem ich gerade stehe, jederzeit seine volle Pracht zeigen dürfen. Auch der Fleiß und natürlich die Sauberkeit spielt in diesem Szenario des Fegen von Blättern eine wichtige Rolle. Und so grübele ich weiter: Kann es sein, dass viele Tätigkeiten in die Punkte der Preußische Tugenden eingegliedert, eingeordnet, werden können?

  • Aufrichtigkeit
  • Bescheidenheit
  • Ehrlichkeit
  • Fleiß
  • Geradlinigkeit
  • Gerechtigkeitssinn (”Suum cuiqui” = Jedem sas Seine)
  • Gewissenhaftigkeit
  • Ordnung
  • Pflichtbewusstsein
  • Pünktlichkeit
  • Redlichkeit
  • Sauberkeit
  • Sparsamkeit
  • Toleranz
  • Unbestechlichkeit
  • Zurückhaltung (”Mehr sein als scheinen”)
  • Zielstrebigkeit
  • Zuverlässigkeit

Würde mein Umfeld und auch ich sich an diesen Punkten orientieren, so wäre das aktuelle Chaos sicherlich gemindert. Die alten Preußen haben da wirklich eine tolle Vorarbeit geleistet.

Preuße zu sein ist eine Ehre, aber kein Vergnügen.
Französisches Sprichwort

Doch die Liste ist recht lang und so betrachte ich eine weitere Liste, die vor meinem inneren Auge erscheint. Die in der weiten Welt immer wieder hervorgehobenen Punkt der Deutsche Tugenden sind

  • Fleiß
  • Höflichkeit
  • Gerechtigkeit
  • Ordnung
  • Pünktlichkeit
  • Toleranz

Mit diesen 6 Punkten lässt es sich schon viel besser arbeiten. Bei jedem Tun, ja sogar bei jedem einzelnen Gedanken in mir, auf diese Liste schauen und für mich abstimmen, ob ich mich in meiner inneren Ordnung befinde.

Das Gute ist für alle Dinge das genaueste Maß.
Aristoteles

In meinen Träumen wirken meine lieben antiken Freund anders. Die Aussprachen finden auf einer anderen Ebene statt. Nicht greifbar, nicht sichtbar, von allen Sinnen getrennt, ergeben sich für den Fortgang des Traumes Möglichkeiten der Stellung von Weichen wie auf einem H0 Eisenbahn Aufbau, einer mit vielen Schienen gefüllten Pressspan Platte aus dem Handwerker Markt.

Eine Liste, die den Begriff der Ordnung, wieder mehr und mehr in unser Leben zurück bringen kann. Welch tollkühne Idee! Und in diesem Zusammenhang die Möglichkeit nutzen gleichartige Objekte zusammen zu nehmen oder auch einfach zu trennen; das nennt man die Sortierung. Wir können Güter, Daten, Informationen und auch Tugenden sortieren. Und doch gibt es einen Unterschied zum Ordnen. Beim Ordnen entsteht eine Reihenfolge zwischen den einzelnen Elementen einer Liste. Und die Position jedes einzelnen Elements hat für uns eine wichtige Bedeutung.

Das Weltall besteht nur aus Atomen und Raum.
Leukipp

Ein gutes Beispiel hierzu ist die Gesamtheit aller ausgewählten und angebotenen Waren (Artikel) eines Unternehmen, dem so genannten Sortiment. Bei dem Aufbau wird unterschieden zwischen

  • Waren Bereich
  • Waren Gattung
  • Waren Art
  • Artikel
  • Sorte und Stück (als kleiner Einheiten)

Weitere Unterscheidungen finden in der Tiefe sowie Breite des Sortiments statt. Und auch die Aufteilung in Kern-, Grund- und Rand Sortiment zeigt eine gesunde Mischung der Begriffe von Sortierung und Ordnung im Unternehmen auf.

Mein Geist will es genauer greifen, infiltrieren, es fühlen: Die Liste das Nonplusultra der Ordnung in einem uns immer größer und komplex vorkommenden Universum. Diese konkrete Sammlung von Informationen in einheitliche, sich ständig wiederholender Form ist doch irgendwie auch schön. Ein Punkt und dann in einer Reihenfolge verschiedene Begriffe pro Zeile chronologisch oder alphabetisch in sich wirken lassen.

Die Quantität sowie auch die Qualität gerne auch in mehreren Dimensionen darstellbar… in der Dimension 2 auch bekannt als Tabelle zeigt mir den Weg. Zeitliche Anordnungen in der Form einer Liste, die so genannten Chronik, zeigt mir dann auch noch wo ich überall gewesen bin.

Der Beginn der Weisheit ist die Definition der Begriffe.
Sokrates

Und auch hier in der Welt der Listen finde ich Schubladen. Mit einem einfachen Wort vorangestellt, erkenne ich die Bosheit und/oder auch die Freundlichkeit der Bedeutung einer einfachen Liste.

Da gibt es zum Beispiel die Schwarze Liste; gerne auch einfach nur als Index bezeichnet. Ich spreche hier von einer Liste von Personen oder Dingen, die gegenüber den nicht aufgeführten in irgendeiner Form benachteiligt werden sollen. Eine bewusste Ausgrenzung, ein nicht dabei sein zu dürfen.

Wo schwarz ist, gibt es auch weiß. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es auch eine Weiße Liste gibt. Gleiche Elemente wie zum Beispiel

  • Personen
  • Unternehmen
  • Programme

werden zusammengefasst. Das ist an sich nichts Besonderes. Der Fokus ist allerdings hier das Ausschlag Gebende: Der Verfasser hat die Meinung, dass die in der Liste genannten Elemente vertrauenswürdig sind. Eine bewusste Einladung: “You are welcome”.

Kein Vorgang ist grundlos, sondern alles Geschehen hat seine Ursache und ist notwendig.
Leukipp

Die Vernetzung von Ursache und Wirkung in Unternehmen führt zu bewusst ausgeführten Aktionen und deren Verkettung. Die im Unternehmen beschäftigten Menschen planen Ihre Projekte anhand von Terminen und dabei behilflich ist die Netzplantechnik. Der kritische Pfad wird berechnet und Aussagen ob das Projekt früher oder später fertig wird, können gemacht werden. Die vier Teilaufgaben der Planung

  • Kapazität
  • Kosten
  • Struktur
  • Zeit

können wieder in einer einfachen Liste zusammengefasst werden.

Die Anordnung von Informationen nach bestimmten Merkmalen und deren Darstellung in der Form von Listen wird im allgemeinen Verzeichnis genannt. Häufig wird dieses auch mit einem Behälter für Dokumente, den so genannten Ordner, verbunden. Das ist aber nicht richtig. Ein Verzeichnis sollte immer als Struktur gebende Liste von Dokumenten gesehen werden.

Die konsequente Weiterentwicklung dieses Konstrukts nennt sich dann ganz einfach Verzeichnisdienst. Es handelt sich hierbei um die Sammlung von Daten in einer gedanklich an einer Hierarchie angelehnten Datenbank.

Erwacht aus meiner recht theoretischen Welt der Begriffe, beobachte ich weiterhin die alte Frau mit Ihrem Besen. Immer noch beschäftigt eine gewisse Art von Ordnung in ihrem Garten vor dem großzügigen Haus herzustellen. Und denke mir dabei, dass auch in Unternehmen Mechanismen existieren, die den Mitarbeiter unterstützen, die Grundsätze der Deutschen Tugenden konkret anzuwenden.

Die Menge der Tugenden als Aufgabe im Unternehmen sehen und vielleicht sogar in Form von Arbeitsanweisungen am Arbeitsplatz etablieren, das wäre eine tolle Sache. Die detaillierten Weisungen an die Beschäftigten in Unternehmen würden dann sogar in das Privat Leben der Einzelnen den Einzug erhalten. Die Ziele

  • Einheitliche Durchführung der Arbeitsschritte
  • Verringerung der Fehlerquote
  • Sicherung der Qualität der Arbeit
  • Sicherung der Qualität der Sicherheit
  • Ersparnis von Kosten
  • Homogene Einarbeitung neuer Mitarbeiter

würden somit einen positiven Beitrag in unserer Gesellschaft leisten.

Auch die Vollprüfung im Qualitätsmanagement kann dann auf die Elemente der Tugenden ausgeweitet werden. Endlich werden die Fehler in der vollzähligen Prüfung aller Elemente der Tugenden thematisiert. Und dieser auch als Sortieren genannter Mechanismus würde die Arten von Fehlern, ob nun

  • Kritisch
  • Hauptsächlich
  • Nebensächlich

scheinen dann gar nicht mehr so wichtig. Alleine schon die Thematisierung und die Beschäftigung mit der konkreten Anwendung der Tugenden ist ein großer Schritt für uns alle.

Rudolf Seyffert, deutscher Wissenschaftler aus dem Bereich der Wirtschaft, hat 1925 mit seinen beiden Werken “Der Mensch als Betriebsfaktor” sowie “Die rationellste Nutzung der Betriebskräfte” meine Sichtweise auf Raum und Zeit geändert. Es benötigt beides und natürlich auch den Menschen.

Funktional, physikalisch oder auch technisch ausgerichtete Arbeitsabläufe gibt es ja nicht nur in den heutigen Unternehmen. Auch im privaten Bereich jedes Einzelnen müssen beteiligte Bereiche koordiniert und somit in ein Vorgehen eingebunden werden.

Von jeder Sache gibt es zwei einander widersprechende Auffassungen.
Protagoras

Und das führt mich wieder zu dem Begriff der Führung. Jeder selbst ist König seiner Handlungen, die er in Rahmen seiner Möglichkeiten ausübt. Die Eingliederung in das Thema Macht im Innen sowie im Aussen führt mich zum Soziologen Norbert Elias.

Die von ihm als Königsmechanismus bezeichneten Vorgang spielt besonders im Bereich der ähnlich starken Interessengruppen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Im Bereich der Tugenden bekommt dieses eine für die Gesellschaft noch weiter reichende Bedeutung. Als geniale Persönlichkeit wird mit den Tugenden eine große Watch List erstellt. Die auf dieser Liste zur Beobachtung stehende Elemente – im Bereich der Tugenden, siehe weiter oben – werden geformt und in weiten Teilen der Gesellschaft dann auch verbreitet.

Das Wahre kann nie widerlegt werden.
Platon

Das Gleichgewicht der Macht kann gesteuert und die stetige Wiederholung etabliert eine für den Ersteller, hier der König, so wichtiges Umfeld. Einmal König sein. Ja, jederzeit möglich!

Und dabei immer im Blick: Wer ist größer? Wer ist kleiner? Das führt mich dann wieder mal in die Mathematik: in diesem Fall ist es die Verallgemeinerung der kleiner-gleich Beziehung, der Ordnungsrelation. Es ist schon faszinierend in welcher Form, und vor allem mit welcher Genauigkeit, die Mathematik zweistellige Relationen darstellen kann; hier einige Beispiele

  • Totale Ordnung
  • Strenge Totale Ordnung
  • Quasi Ordnung
  • Halb Ordnung
  • Strikte Ordnung
  • Strenge schwache Ordnung
  • Induktive Ordnung
  • Wohle Quasi Ordnung
  • Wohle Ordnung
  • Baum
  • Verbundene Ordnung
  • Vollständig Halbe Ordnung
  • Homomorphismen

Schon alleine die Gleichheit mit ihren so vielen Möglichkeiten fasziniert mich. Denn das wirkliche Gleich sein, kann auch in einem fernen Raum existieren. Eine Ordnung im Sinne von “Ich mache das genauso wie Du” weil ich gesehen habe, dass es ein Anderer auch getan hat… führt mich zur Transitiven Relation: Denn für drei reelle Zahlen x, y und z mit x = y und y = z gilt immer auch x = z. Spannend was sich da so ergeben kann mit dem Blick auf die Tugenden.

Die ältere Dame hat ihre Arbeit kurz unterbrochen und schaut zu mir herüber. Schaut sie wirklich zu mir? Bin ich überhaupt in diesem Traum sichtbar? Sie lächelt mich an und macht mich noch unsicherer als ich jetzt schon bin. Die Katastrophe des Gesehen oder auch Nicht Gesehen Werden… wie viel muss ich sichtbar sein, welche Teile von mir sind für das öffentliche Auge freigegeben.

Ich kann selbst entscheiden. Die Sichtbarkeit, auch als Manager, kann auch mit dem Divide et impera Prinzip betrachtet werden. Die im alten Rom als Zentral Macht der Antike praktizierten Verträge erlaubten kein Untereinander. Teile und Herrsche hilft auch mir mich zu orientieren. Meine Sichtbarkeit bestimme ich selbst.

Die rekursive Zerlegung in kleinere und einfachere Teile macht mir als Leben leichter. Auch in der Informatik, mein “noch” aktuelles Haupt Business, werden mit dem Teile-und-herrsche-Verfahren effiziente Algorithmen zum Beispiel im Bereich der Suchen und Sortieren Verfahren Erfolg gefeiert. So wird Vieles beherrschbar.

Und wenn es dann etwas komplexer wird, erstellt der Informatiker eine Datenbank. Die Möglichkeit dort große Datenmengen effizient, widerspruchsfrei und dauerhaft speichern zu dürfen, ist sicherlich ein Hauptmerkmal. Doch da gibt es noch viel mehr zu betrachten, zum Beispiel

  • Daten Sicherheit
  • Daten Integrität
  • Abfrage Optimierung
  • Unterstützung der Anwendungen
  • Mehr Benutzer Fähigkeit
  • Möglichkeit einer stetigen Strukturierung
  • Hierarchie
  • Netzwerk
  • Relational
  • Objekt Orientiert
  • Dokumenten Orientiert

Um die Deckung der Nachfrage zu Informationen zu gewährleisten hat sich das Konstrukt der Datenbank im Laufe der Zeit zu einem soziologisch technischen System weiter entwickelt. Das auch als Informationssystem benannte Konstrukt vermittelt zwischen Mensch und Technik. Dieses Gefüge einer Beziehung kann als

  • Offen
  • Dynamisch
  • Komplex
  • Kompliziert
  • Soziologisch Technisch

charakterisiert werden. Doch die Beziehung von Mensch und Technik ist in Gefahr.

Mit dem Aufkommen immer weiterer Task Technology Fit Modelle wird der Faktor Mensch nicht weiter betrachtet. Alleine das Kongruent zwischen Aufgaben und Technik existiert. Die Erwartung: Jeder, der eine bestimmte Aufgabe löst, nutzt die am besten geeignete Technik. Das Möchten wird zur konkreten Wählen der besten Option. Der Mensch ist derart in seiner Aufgabe drin; er existiert nicht mehr.

Und doch besteht Hoffnung: das Schalenmodell von Teubner sieht den

  • Mensch über
  • Anwendungssoftware über
  • Basissoftware über
  • Rechner über
  • Sonstige technische Einrichtungen

Das lässt wirklich hoffen: Der Mensch über all den technischen Anlagen und dabei Herr seiner Dinge im persönlichen Umfeld. Die von C.G. Jung als Schein-Identitäten bezeichneten Masken der Psyche des Kollektivs mit der Vortäuschung einer vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Individualität strahlt bis in die heutige Technik hinein. Die auch als Persona bezeichnete Unterscheidung der Objektiven Welt und Subjektiven Wert mit den Funktionen des Bewusstseins

  • Denken
  • Intuieren
  • Empfinden
  • Fühlen

müssen in den heutigen Unternehmen weiter betrachtet werden.

Augen sind genauere Zeugen als die Ohren.
Heraklit

Erkenne dich selbst!
Milet von Thales

Der Faktor Mensch wird mit seinem Selbstbezug und der Individualität als Kern der Menschwerdung weiter gestärkt werden. Die von C. G. Jung in der Reihe der Tiefen Psychologie geprägten Persönlichkeit prägenden Begriffe

  • Komplex
  • Introversion
  • Extraversion
  • Archetypus

werden im Zusammenhang in einer gefühlt immer schneller drehenden Welt das Zusammenleben, auch soziologisch, bestimmen.

Ein Leben, das nicht kritisch untersucht wird, ist es nicht wert, gelebt zu werden.
Sokrates

Immer noch starrt die ältere Dame in meine Richtung. So langsam ist mir das aber nun wirklich unheimlich. Was sieht sie? Hat sie mit mir ein Problem? Was könnte ich in Ihrer Sichtweise sein? Macht es Sinn auf sie zu zugehen?

Fragen über Fragen… und plötzlich höre ich da diese Klingel. Mein kurzer Schlaf im Sessel scheint vorbei zu sein. Mein Besuch im “Schlund”, unserer Bibliothek im Keller der großen Villa, scheint beendet. Wer mag wohl am Tor stehen?